Die Geschichte von zwei Niederurseler Pfarrern vor und nach dem zweiten Weltkrieg - und was uns das heute angeht

Die Geschichte von zwei Niederurseler Pfarrern vor und nach dem zweiten Weltkrieg - und was uns das heute angeht

Die Geschichte von zwei Niederurseler Pfarrern vor und nach dem zweiten Weltkrieg - und was uns das heute angeht

30. Juni 2026 - 30. Juni 2026

Die Geschichte von zwei Niederurseler Pfarrern während und nach dem zweiten Weltkrieg, und was das uns heute angeht.

Im Mai 2026
Von Pfarrerin Dr. Ruth Huppert 

Wenn Sie einen Ausdruck des Textes möchten, fragen Sie gern im zentralen Gemeindebüro in Heddernheim nach.

Man merkt am aktuellen Gemeindebrief und den Angeboten in den anderen Gemeinden unseres Nachbarschaftsraumes: Da gibt es scheinbar eine ausgesprochen-unausgesprochene Einigkeit, dass es wichtig ist, die 20er und 30er Jahre nach Erfahrungen zu durchforsten, die uns in unserer Zeit helfen, besser zu verstehen – im besten Fall auch das Schlimmste zu verhindern.  

Ist unsere Zeit mit diesen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts vergleichbar? In so vielen Punkten nicht. Ökonomen und HistorikerInnen weisen zu Recht darauf hin, dass die Armutssituation in der Bevölkerung heute keinesfalls mit den Zahlen in der Weimarer Republik und der damaligen Wirtschaftskrise verglichen werden kann. Es war damals objektiv schlimmer. Aber was helfen die Zahlen, wenn der Unmut und das Gefühl, nicht richtig am Fortschritt der Zeit beteiligt zu sein, und die Angst vor dem eigenen sozialen Absturz dann eben doch vergleichbar ist?
Der Historiker Jens Bisky, der letztes Jahr eine Zeitgeschichte zur Weimarer Republik veröffentlich hat (Jens Bisky, Die Entscheidung: Deutschland 1929-1934), wird in einem Interview gefragt, ob er denn selbst denke, dass man unsere Zeit mit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vergleichen könne. Bisky antwortet, dass wir eben auch nicht nicht vergleichen können. Ich denke, er hat recht.  

Archive über NSDAP-Mitgliedschaften, welche die Amerikaner eingerichtet haben, sind seit diesem Frühjahr das erste Mal öffentlich zugängig. Du und ich können nun nachsehen, ob die eigenen Vorfahren, Großeltern und Eltern, in der NSDAP waren.
Was machen wir jetzt damit? Ich persönlich muss nicht mehr nachsehen, denn ich weiß, dass alle meine Großeltern dem Führer geglaubt haben, und beide Großväter auch in der Partei waren. Und ich weiß auch noch mehr, was mein Herz immer wieder schwer macht, wenn ich daran denke.
Was einfach stimmt: Parteimitgliedschaft war für viele einfache Menschen das, was sie tun konnten, um in finanziell angespannter Situation bessere Chancen zu haben, vielleicht eine Beförderung in der Fabrik o.ä. Das war ja unter anderem Strategie der Partei, dass man echte persönliche Vorteile haben konnte, wenn man sich „der Bewegung“ anschloss, oder Nachteile vermuten und befürchten musste, wenn man nicht Parteimitglied war. Haben also alle aus Überzeugung und unter Abwägung der ethischen Konsequenzen den Mitgliedsbescheid unterschrieben? Ich bezweifle das. Manchmal hatte es m.E. furchtbar banale Gründe, warum Menschen Mitglied der NSDAP wurden. Und dann gab es auch Leute im Militär, von denen wissen wir, dass sie sich an den entsetzlichsten Verbrechen beteiligt haben, aber nicht Mitglied der Partei waren. Die finden wir in der Datei nicht. Andersherum gab es aber zum Beispiel Ärzte, die Parteimitglied waren, es jedoch abgelehnt haben, sich am Euthanasieprogramm aktiv zu beteiligen, weil es ihrer ärztlichen Ethik widersprach, so etwas zu tun.
Und müsste es uns nicht um unserer selbst willen vor allem interessieren, was Menschen wie mich und dich dazu bringen kann, mitzumachen oder nicht auch mitzumachen? An welcher Stelle sind wir so manipulierbar, dass wir gegen jede Moral im Angesicht eines anderen Menschen nicht mehr Gottes Ebenbild sehen und den biblischen „Nächsten – denn er ist wie du“?[1] Eines scheint bei den ehemaligen wie neu aufkommenden autoritären Gruppen und Parteien wirklich vergleichbar zu sein. Sie setzen aktiv auf Strategien, die Menschen zu Mittäter:innen im System machen. Es muss kein Glaube an den Führer sein.  Es konnte damit beginnen, dass du, aus welchem Grund auch immer, zum Beispiel aus persönlicher Zeitnot, entschieden hast wegzugucken, wenn deine Nachbarn drangsaliert werden. So fängt es an. Und die Grausamkeit in der Öffentlichkeit war Strategie![2]
Wenn du dich einmal darauf eingelassen hast, an der Versteigerung des Eigentums der jüdischen Nachbarn teilzunehmen und mit wunderschönen silbernen Kerzenständern nach Hause gegangen bist, also Wertgegenstände, die du dir sonst nie hättest leisten können (wie z.B. meine Großmutter), wenn du einmal persönlich Gewinn aus dem Unglück der anderen geschlagen hast, dann ist die Hürde ein erstes Mal höher gesetzt, sich dafür einzusetzen, dass diese Menschen wieder zurückkommen. Von den Deportationen haben viele über Auktionen in den Wohnorten profitiert. Das war Strategie.
Warum Antifeminismus oder Frauenverachtung im Allgemeinen auch immer zu den ersten Botschaften in autoritären Systemen gehört, ist vor diesem Hintergrund sehr einfach zu erklären. Wenn du einmal die „ganz normalen“ Männer und Väter dazu bekommen hast, ihre eigenen klugen, wundervollen, ausgebildeten Ehefrauen, Töchter und Schwestern in ihren Entwicklungsmöglichkeiten zu beschneiden und zu Gebärmaschinen zu erniedrigen, hat das Regime auf einen Schwung die Hälfte der Bevölkerung zu Tätern im eigenen Haus gemacht. Das ist Strategie. Und es gibt immer einen Anteil von Männern, die das sowieso wollen und davon profitieren, sowie einen Anteil von Frauen, die genau das für sich als Befreiung verkaufen wollen. Wenn wir etwas vergleichen wollen und wiedererkennen können, dann jedenfalls das.  

Heute sind wir kirchlich in einer wirklich ganz anderen Situation. Im letzten Jahrhundert hatten sich viele in den kirchenleitenden Ämtern noch nicht von der Abschaffung der Monarchie erholt. Demokratie schien vielen eine Gefahr für die Kirche zu sein. Der Bedeutungsverlust in der Bevölkerung tat weh. Das ist sicherlich etwas, was heute auch eine Rolle für alle spielt, denen an der Kirche gelegen ist. Und auf der Pfeife haben die Nationalsozialisten gepfiffen und der gekränkten Eitelkeit der Glaubenden und Kirchenleitenden geschmeichelt. 

In der Reihe der Frühwarnsignale für das Entstehen faschistischer Bewegungen, die 2003 von Dr. Lawrence Britt in praktischen vierzehn Stichpunkten herausgegeben wurde, gibt es unter Punkt acht den Punkt Politik und Religion. (Hier in einer Übersetzung aus dem Englischen von mir.)

Regierungen in faschistisch organisierten Nationen nutzen die am meisten verbreitete Religion im Leben der Menschen als ein Mittel um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Religiöse Rhetorik und religiöse Begrifflichkeit wird also offensiv genutzt, auch dann, wenn die eigentlichen Anliegen und Ziele den Anliegen der politischen Partei diametral entgegenstehen.[3] 

Heute treten die Kirchenleitenden eindeutig gegen autoritäre und faschistische Tendenzen auf. Das ist gut. An der Stelle können wir uns gerade recht sicher fühlen. Es gab einen theologischen Lernprozess, obwohl der – und das sage ich mit großer Bestimmtheit und Traurigkeit - auch nach 80 Jahren noch nicht in aller Tiefe in die Praxis der Glaubenden eingetragen ist. Alte Denkschablonen des Glaubens, die z.B. Israel/Judentum als dunkle Folie benutzen und missbrauchen, um sich selbst zu verstehen und darzustellen, tauchen immer wieder auf.  

Und genau deswegen möchte ich heute mit einer Erzählung aus unserer Gemeinde beginnen. Es geht um die beiden Pfarrer der Gustav-Adolf-Kirche während der nationalsozialistischen Herrschaft und in den Jahren danach, Pfarrer Alfred Walesch und Pfarrer Joachim Hans Korn, insbesondere aber um Alfred Walesch, denn er war allem Anschein nach eben nicht nur nominell Parteimitglied, sondern aus voller Überzeugung.

Vielleicht gibt es sogar noch Erinnerungen und Erfahrungen unter den Gemeindegliedern, die bis in diese Zeit zurückreichen. Bitte sprechen Sie mich an, wenn Sie erzählen können und wollen!
 

Mehr aus Zufall habe ich für einen Vortragsabend im Jahr 2025 die Liste der ehrenamtlich Mitarbeitenden im sog. „Entjudungsinstitut“ in Eisenach nachgeschlagen. Der offizielle Name war „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“.[4] Mit den dort engagierten Pfarrpersonen aus meinem früheren Arbeitsumfeld Wiesbaden kannte ich mich aus, und so hatte ich den unbestimmten Impuls, einfach mal nachzusehen, wie das mit Pfarrkollegen (Pfarrerinnen gab es damals in Frankfurt noch nicht) in Frankfurt war. Und ich stieß auf genau einen Namen, nämlich ausgerechnet auf den des Pfarrers der Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel, Pfarrer Alfred Walesch, also eines Kirchortes der fusionierten Gemeinde, in der ich vor kurzem erst angefangen hatte zu arbeiten.  

Wer war dieser Kollege? Was kann ich in Erfahrung bringen von dem, was er in Niederursel erzählt und gepredigt hat? Wenn er bei den Deutschen Christen in Thüringen gemeldet war, dann ist das ein erstes Zeichen dafür, dass es ihm sehr ernst mit der nationalsozialistischen Bewegung in der Kirche war. Dass er Mitarbeiter im Entjudungsinstitut war, lässt mich ahnen, dass er offen theologischen Antijudaismus und Antisemitismus (die völkische Variante und Weiterentwicklung des kirchlichen Antijudaismus) vertreten hat. Was ich dann im Archiv der EKHN in Darmstadt in den Personalakten gefunden habe, ist mehr als wir in einem Gemeindebrief abdrucken können.
Mit der Veröffentlichung des Gemeindebriefes finden Sie den langen Bericht über all das, was ich gefunden habe. Bisher Da ist ganz sicher noch mehr zu finden und anderes zu erzählen. Ich freue mich sehr, wenn Sie mit erlebter Erinnerung und Geschichte auf mich zukommen!

 

Was ich hier berichte und skizziere, habe ich hauptsächlich den Personalakten entnommen, die mit diesem zeitlichen Abstand öffentlich im Archiv der EKHN in Darmstadt einsehbar sind. Es ist sicher Weiteres zu finden, wenn es zum Beispiel doch noch gelingt, die Unterlagen des damaligen Dekanates Bockenheim, zu dem Niederursel gehörte, zu finden. Diese Unterlagen sind nicht im Archiv der EKHN abgegeben worden. Manchmal finden sich solche Dokumente dann aber doch noch irgendwann, auf irgendeinem Kirchendachboden o.ä.
Eine weitere Quelle habe ich noch nicht weiter erschlossen, die aber greifbar vor mir liegt. Die KV-Protokollbücher der Gemeinde in Niederursel. Derzeit fehlt mir einfach gerade die Zeit, mich in das Lesen von handgeschriebenem Sütterlin einzuarbeiten.

Es ist meine Absicht, transparent zu machen, was ich bisher sicher weiß, und was gerade noch Information aus zweiter Hand oder meine eigene Vermutung ist.  

Pfarrer Alfred Walesch ist am 29.08.1903 in Meschendorf in Siebenbürgen (deutschsprachige, deutschgeprägte Region in Rumänien) zur Welt gekommen, auch die Schule hat er in der nächstgrößeren Stadt in Siebenbürgen beendet. Sein Vater war Rechtsanwalt und Notar.
Nicht klar ist sein Weg nach Hessen. Vermutlich hat ihn das Studium nach Deutschland gebracht. Die Ausbildung (Vikariat) hat er jedenfalls in Hessen absolviert, und am 11. Dezember 1929 die zweite theologische Prüfung abgelegt. Seine erste Stelle hatte er im Dekanat Weilburg und wurde dann zum 1.10 1935 als Pfarrer in Niederursel eingeführt. Zwischen 1931 und 1938 haben er und seine Frau Else vier Kinder bekommen, zwei Söhne und zwei Töchter.
 

Was jetzt folgt ist eine Darstellung der Ereignisse, die sich aus rückblickenden Berichten und Briefwechseln ergibt, vor allem, weil unter anderem von dem 1945 eingesetzten Pfarrer in Niederursel, Pfarrer Joachim Hans Emil Robert Korn, Briefe und Berichte existieren, auch von Frau Else Walesch und anderen Menschen, die sich für die Belange der Kirchengemeinde und des Pfarramtes eingesetzt haben.   

Von Pfarrer Korn wurde mir, hier und da bei Gesprächen in der Gemeinde, berichtet, oft mit der Botschaft, dass das ein „ganz strenger“ gewesen sei. Es ist so, dass Menschen, deren Personalakte man sorgfältig durchlesen darf, einem gewissermaßen nahrücken. Vielleicht gibt es mal Gelegenheit über Pfarrer Korn noch etwas zu schreiben. Hier lasse ich so stehen, dass ich durch das, was ich auf diesem Weg von ihm und über ihn erfahren habe, große Hochachtung vor seiner Arbeit und seiner Haltung gewonnen habe. Das sagt nichts darüber, dass er vielleicht wirklich nicht ganz einfach im Zwischenmenschlichen war. Das mag sein. Im Nachhinein frage ich mich sehr oft, wie die Seele der Menschen diese Zeit eigentlich jemals heil überstehen konnte, die Trauer über die erste Ehefrau, die mit der Tochter bei einem Bombenangriff umkommt? Die faktische Ungerechtigkeit in der Bewertung seiner Parteimitgliedschaft im Vergleich eben zu einem Pfarrer Walesch, der einfach zu einer anderen Zeit und von anderen Leuten daraufhin überprüft wurde? Und trotzdem, Pfarrer Korn beklagt sich nicht, jedenfalls nicht gegenüber der Kirchenleitung, denn das wäre in seiner Personalakte zu finden.  

Wichtig für unseren Zusammenhang ist jedenfalls dies: Auch Pfarrer Korn war als junger Mann in die NSDAP eingetreten. Scheinbar spielte das aber in seinem täglichen Leben als Pfarrer keine Rolle. Zu seiner theologisch- inhaltlichen Prägung kann ich nur das sagen, was er selbst erklärend an die Untersuchungskommission zu seinen Motiven schreibt.[5] Als in der Zeit nach dem Krieg nicht nur eine Untersuchung durch die Siegermächte (der sog. Entnazifizierungsvorgang) erfolgte, sondern auch eine Untersuchungskommission der Kirche von der Vorläufigen Kirchenführung eingesetzt wurde, wurde Pfarrer Korn von beiden Stellen attestiert, dass er nur nominell Parteimitglied war, es aber keine Hinweise auf Tätigkeit aus Überzeugung o.ä. gab. Trotzdem wurde er mit dem Befund der Parteimitgliedschaft auf Empfehlung der Untersuchungskommission im März 1946 gegen seinen Wunsch von der Jakobsgemeinde in Bockenheim nach Niederursel versetzt. Er wurde erst einmal kommissarisch eingesetzt, weil sich Pfarrer Walesch nach dem Krieg in Kriegsgefangenschaft befand. Frau Walesch wird bezüglich ihres Ehemannes in einem Schreiben durch die vorläufige Leitung der Kirche in Frankfurt am Main mitgeteilt, er sei als „Mitglied der NSDAP und führendes Mitglied der thüringischen Deutschen Christen“ bis zur Überprüfung durch den eingesetzten Ausschuss „unter Fortgewährung Ihrer Bezüge in der bisherigen Höhe“ in den Wartestand versetzt. Ihr wird aufgetragen Pfarrer Korn und seiner Familie bis auf weiteres drei Zimmer und einen Gartenanteil zu überlassen.  

In der Personalakte Korn finden sich über die Jahre hinweg Beschwerdebriefe von Frau Walesch über das erzwungene Zusammenleben. Es wurde sicher nicht einfacher, weil Pfarrer Korn recht bald anfing, Schriftstücke und andere Dinge zu sichern und auch schriftlich zu dokumentieren, die über die Einstellung und das Wirken des Kollegen Walesch in Niederursel Auskunft geben konnten. Er schrieb darüber an die vorläufige Kirchenleitung und im Durchschlag zur Kenntnis auch direkt an den kirchlichen Untersuchungsausschuss, also genau dem Kreis von Leuten, die ihn aus seiner eigenen Gemeinde gegen seinen Willen versetzt hatten. Manchmal sind Landeskirchen unendlich klein, und man begegnet immer denselben Leuten, auch denen, die über die eigene Zukunft entscheiden können oder schon entschieden haben. Wann zeigt man in einem so kleinen Kreis von Verantwortlichen Fehlverhalten an? Das, was sich da in Niederursel im Pfarrhaus und in der Kirche abgespielt hat, ist objektiv zwischenmenschlich kompliziert. Eigentlich eine Binse: Pfarrer und Pfarrerinnen sind auch nur Menschen. Ich betone das hier, weil manches Schreiben aus dieser Zeit auch noch einmal zeigt, wie viele Menschen in jener Zeit geneigt waren, dem Amt des Pfarrers eine Wirkung zuzugestehen, welche den Menschen unter den anderen hervorhebt, irgendwie weniger fehlbar scheinen lässt.
Pfarrer Korn schreibt sehr ausführlich davon, wie er in der Kirche einen Filmmotorapparat findet (der Ausdruck findet sich exakt so im Brief.), welche Zeugen er zur Öffnung hinzuruft (Mitglied des KVs und dessen Frau, namentlich bekannt und den „Gatten der Kirchendienerin“) und wie er sichergestellt hat, das vor der Öffnung durch ihn nur der Kollege Walesch Zugang zu dem Apparat gehabt haben kann. Pfarrer Korn schreibt über den Filmstreifen: „Dieser Bildstreifen ist ein übles Hetzwerk gegen das Judentum. Im Stile des Stürmers von Streicher wird in einzelnen Bildern das Judentum verächtlich gemacht und der Führer als Idealgestalt ihm entgegengestellt und verherrlicht. Vom Geist des Evangeliums ist hier keine Spur. Dieser Streifen ist mit Sicherheit als Propagandafilm für die Arbeit der Deutschen Christen thüringischer Prägung hier in der Gemeinde von Pfarrer Walesch vorgeführt worden. … Als weiteren Beleg für die kirchenzerstörende Arbeit von Pfarrer Walesch stelle ich auf Anforderung ein Schreiben zur Verfügung, dessen Durchschlag mit Unterschrift von Pfarrer Walesch ich bei den Akten gefunden hab, in dem der Kindergarten des Evangelischen Frauenvereins Niederursel als Geburtstagsgeschenk an den Führer übereignet wird“.

Insbesondere diesen Vorgang der Übereignung des Kindergartens der Gemeinde an Adolf Hitler hätte ich gerne mit Protokollen des Kirchenvorstands belegt. Das ist mir bisher nicht gelungen. Vielleicht suche ich in den falschen Jahrgängen der Protokollbücher, weil es auch keine Angabe zum Jahr der Übereignung gab. Kaum vorstellbar scheint mir, dass ein Pfarrer so etwas am Kirchenvorstand vorbei getan hat. Mir scheint plausibler, dass er es im Gegenteil im Kirchenvorstand und in der Gemeinde als Akt der Führertreue gefeiert hat.   

Belegt und im Archiv einsehbar ist das Exemplar einer gedruckten Einladungskarte mit dem einladenden Absender „Deutsche Christen Nationalkirchlicher Einung Markgemeinde Frankfurt am Main“ Mit dieser Postkarte werden die „Kameraden“ zum Vortrag am 10. Oktober 1940 im Steinernen Haus eingeladen „Es spricht Pfarrer Walesch, Niederursel. Thema: Entjudung des Christentums.“
Die Postkarte ist von Alfred Walesch selbst unterschrieben. Er gehört sichtbar zu den Organisatoren der Deutschen Christen in Frankfurt und hat die inhaltlichen Anliegen laut und deutlich vorangetrieben.  

Die Personalakten der beiden Pfarrer, Walesch und Korn, so unterschiedlich der Befund über ihre Verstrickung in die Geschichte des Nationalsozialismus und in die Geschichte der „Deutschen Christen“ ist und bleibt, erzählen in den nächsten Jahren eine Geschichte des Ringens um die Besetzung der Pfarrstelle. Der Kirchenvorstand schreibt zwei Mal mit der Bitte um Besetzung der Stelle mit Pfarrer Korn, dem man vollstes Vertrauen ausspricht. Man verwehrt sich darin gegen die Verleumdungen von Pfarrer Korn „von gewisser Seite“ in Niederursel. Daneben stehen Briefe von Else Walesch selbst sowie von Menschen, die sich für sie einsetzen und schreiben, damit Pfarrer Korn aus Niederursel entfernt werde, weil die Situation der Pfarrfamilie Walesch nicht weiter zumutbar sei. Bemerkenswert finde ich die Briefe des Pfarrers Reinhard Matthieu. Er schreibt im Mai 1947 von seinem Pfarramt in der Klinikstraße in Bochum an Kirchenpräsidenten Niemöller, er habe als Major in den letzten Kriegswochen „vor dem Zusammenbruch“ die Gemeinde in Niederursel auf Bitten der Frau Walesch seelsorgerlich unterstützt. Er beschreibt sie als aufrichtige und ehrlich wollende Christin „mit leichtem idealistischen Einschlag“. Der Begriff Zusammenbruch lässt kaum erkennen, was im Mai 1945 geschehen war und dass es um einen schuldhaft begonnen Krieg ging, den man verloren hatte. Was er mit leichtem idealistischen Einschlag meint? Eine blumige Umschreibung für gesichert nationalsozialistische Gesinnung ist jedenfalls auch nicht auszuschließen, zumal Pfarrer Matthieu dann weiter versichert, sie habe „seit jenen schweren Maitagen immer mehr gelernt“. Gott habe „sie geläutert“, und sie selbst habe „was sie etwa gefehlt und versäumt hat (…) unter Gottes Gericht und Gnade gestellt, so daß jedes richterliche Eingreifen in ihr Leben menschlicherseits als auch von der Seite der dortigen Kirchenleitung aus sich nicht nur erübrigt, sondern auch zerstören könne, was Gott schon in ihr gewirkt hat.“ Etwas weiter unten weiß Herr Pfarrer Matthieu zu bezeugen, der ihm persönlich völlig unbekannte Pfarrer Korn sei „ein sonderbarer Heiliger“ und trage an allen Schwierigkeiten im Zusammenleben alleinige Schuld und habe sich selbst um jeden Segen in seiner pfarramtlichen Tätigkeit gebracht. Ja, er habe sein Daseinsrecht in Niederursel verwirkt und Pfarrer Matthieu bittet dann im Namen der Pfarrfrau Walesch, den Pfarrer Korn in seine Schranken zu weisen. Außerdem teile er mit Frau Walesch die Hoffnung, dass Gott auch an Pfarrer Walesch in der Gefangenschaft „so gearbeitet hat, daß er nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft zusammen mit seiner Frau in Niederursel noch einmal einen Anfang machen“ kann.  

So sieht moralischer Druck aus.
Und was mir aus der Perspektive 2025/2026 besonders auffällt, ist die Sicherheit, mit der der Bochumer Kollege für die eine Partei die Gnadenzusage Gottes vorauseilend annimmt und jedes menschliche und kirchliche Eingreifen allein deswegen für unangemessen, ja eigentlich ein Sakrileg hält und als eine Grenzüberschreitung in Gottes ureigenes Wirken beschreibt, während er für den anderen das Eingreifen der kirchlichen und weltlichen Macht geradezu einfordert. Was menschliches Eingreifen in diesen Fall wäre, ist schlicht das, was man Pfarrer Korn auch zugemutet hat, mindestens die Gemeinde zu wechseln. Wir kennen das aus jüngster Vergangenheit im Umgang mit den zu Tätern gewordenen Pfarrern in unserer Kirche, wie es sich in der FORUM-Studie nachlesen lässt. Da gibt es die Bereitschaft, „für die Eigenen“ – und das kann eine beliebig persönlich begründete Beziehungsebene sein - die Gnade Gottes vorauszusetzen. Daraus folgt dann die Bereitschaft, diese „Täter:innen“ dann auch wiederum als die eigentlichen Opfer darzustellen, wenn andere das nicht so akzeptieren wollen und zum Beispiel ein Untersuchungsverfahren fordern.

Wirklich vermute ich so etwas Ähnliches in diesen Jahren in der Niederurseler Gemeinde. Zumal in einer Zeit, in der es allgemein gesellschaftlich noch nicht üblich war, über die Verbrechen, die begangen worden sind, zu sprechen. Als Problem wurden oft und schnell eben diejenigen angesehen, die das angesprochen haben. „Nestbeschmutzer“, „Querulanten“ oder „besonderer Heiliger“, das sind Ausdrücke, um denjenigen zu konfrontieren und lächerlich zu machen, der das Unrecht anspricht, das man lieber vergessen machen möchte.  

!949 schreibt Pfarrer Matthieu noch einmal an Martin Niemöller. Der Brief beginnt mit der Anrede „Lieber Bruder“ und er wiederholt seine Bitte.  

Wirklich dauert es bis zum 1.11.1949, bis Pfarrer Korn die Pfarrstelle zur Inhaberschaft anvertraut wird. In der Personalakte ist nachzuvollziehen, dass es zwischendrin auch immer wieder als formaler Hinderungsgrund für eine reguläre Besetzung angeführt wird, dass man warten müsse, bis der bisherige Stelleninhaber Walesch gehört werden könne, um endgültig zu entscheiden. Es wird außerdem eine außerordentliche Visitation der Gemeinde durchgeführt mit der Begründung, dass die Gemeindesituation besonders schwierig sei. Das ist jetzt wieder eine Vermutung, aber diese außerordentliche Visitation scheint ein Ergebnis der andauernden persönlichen Angriffe durch Frau Walesch und ihre Unterstützer zu sein.  Es gibt in der Personalakte keine weiteren Hinweise auf irgendwelche dienstrechtlich relevanten Schwierigkeiten in der pfarramtlichen Arbeit von Pfarrer Korn. In diesen Jahren wächst das Ansehen von Pfarrer Korn im Dekanat und in der Kollegenschaft. Er war im Frühjahr 1948 von seinen Pfarrkollegen im Dekanat Bockenheim zum Obmann (Dekanatsverwalter) gewählt worden. Das widerlegt nichts, aber es kann doch als ein Hinweis auf eine sehr kollegiale und auch inhaltlich hoch angesehene Arbeit angesehen werden. Nach abgeschlossener außerordentlicher Visitation der Gemeinde wird dann endlich (Brief des Vorsitzenden der Generalvisitation der EKHN vom 14.11.49)

aufgegriffen, was über Jahre hinweg ignoriert oder nicht wichtig genug genommen wurde.   schreibt, dass der vor Jahren bereits gemachte formale Befund der aktiven NSDAP-Mitgliedschaft und der Mitarbeit bei den thüringischen Deutschen Christen und im Eisenacher (Entjudungs-) Institut ausreicht, um eine Rückkehr von Pfarrer Walesch in seine ehemalige Gemeinde auszuschließen. Jetzt wird auch schriftlich festgehalten, dass es bei einem solchen Befund unnötig ist, eine weitere Untersuchung oder ein persönliches Gespräch abzuwarten. Diese Entscheidung, so erfährt es Pfarrer Korn, wird auch Frau Else Walesch schriftlich mitgeteilt.  

Pfarrer Walesch kehrt zurück. Sehr spät. Ende 1953. Er ist einer der letzten, die aus Russland zurückkehren, und er ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Die Personalakte ist nicht nur im ersten Jahr, sondern bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand durchzogen von Belegen und Anträgen für zusätzliche Auszeiten wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten, Anträge, Taxifahrten für dienstliche Wege benutzen zu dürfen, weil er wegen der erlittenen Erfrierungen nur unter Schmerzen laufen kann u.a. Keine Frage, er ist von den Jahren in unterschiedlichen Straflagern in Russland schwer gezeichnet.  

In all den Jahren der Kriegsgefangenschaft hat die EKHN der Ehefrau Waleschs das Gehalt ihres Mannes ausgezahlt und hat auch Pfarrer Walesch mit Paketen nach Russland unterstützt. Nach seiner Rückkehr bekommt die Familie mehrmals Sonderleistungen, um den Hausstand und auch die Garderobe des Pfarrers wieder herzustellen. Familie Walesch schreibt immer wieder kleinteilige Bittbriefe. Die EKHN ist ihrer Fürsorgepflicht gegenüber der Familie umfänglich gerecht geworden, und doch klagt Pfarrer Walesch bitter über die Versetzung in eine andere Gemeinde, obwohl man ihn „in Niederursel doch sehnlichst zurück erwartet hat“, so schreibt er.  

Pfarrer Walesch wird nach seiner Rückkehr und nach Monaten der Krankschreibung und Reha-Aufenthalten als Pfarrer in der Johanniskirche in Frankfurt Bornheim eingesetzt.  

Diese Entscheidung wurde allerdings nicht von der Untersuchungskommission getroffen, die Pfarrer Korn noch erlebt hat, und die entschieden hatte, dass in seinem Fall, die einfache, also nicht aktive, Mitgliedschaft für eine Strafversetzung ausreiche. Wie hätte diese Kommission im Fall Walesch entschieden? Wo sind die von Pfarrer Korn gesammelten Unterlagen und Belge (wie der Filmvorführapparat, s.o.)?  Ich konnte das leider nicht mehr nachvollziehen. Die Leitung des Archivs der EKHN hat in meinem Auftrag noch einmal überprüft, ob es überhaupt einmal ein offizielles Ende der Untersuchungskommission gab. Dem scheint nicht so. Es sieht gerade so aus, als sei die Untersuchungskommission einfach ausgelaufen, sang- und klanglos.  

Pfarrer Walesch wurde nach erster medizinischer Versorgung zum Gespräch beim Kirchenpräsidenten Niemöller eingeladen. Wissend um diesen Termin schreibt Pfarrer Walesch Berichte über seine Arbeit als Pfarrer in den Kriegsgefangenenlager Russlands. „Weihnachten in Russland“ ist der Bericht überschrieben. Mir persönlich fällt es schwer, ein anderes Wort als „rührselig“ für das zu benutzen, was da zu lesen. 

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Kirchenpräsident Niemöller in den Gesprächen sehr klar in seiner Haltung gegenüber dem vergangenen Engagement des Kollegen war. Bemerkenswert scheint mir, dass zwei sehr knappe schriftliche Aufforderungen in der Akte zu finden sind, der Kollege möge den Grundartikel der EKHN schriftlich bestätigen. Im Schreiben vom 17.03.1954, wird ihm ungeduldig angedroht, dass er gar keine Stelle mehr zu erwarten habe, wenn er den Grundartikel nicht unterschreibt und sich dazu bekennt. Offensichtlich fiel es Pfarrer Walesch nicht leicht, sich darauf einzulassen. Der Grundartikel in der ersten Fassung ist öffentlich einsehbar. Auch vor der Ergänzung durch die Synode von 1991 zur bleibenden Erwählung Israels war für Pfarrer, die sich den Deutschen Christen und ihrer Theologie nahe fühlten, die Formulierung „dass allein Jesus Christus unser Heil ist, uns offenbart allein in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes, geschenkt allein aus Gnaden, empfangen allein im Glauben“ ein Stein des Anstoßes. Allein Jesus Christus, nicht mehr der Führer. Altes und Neues Testament. Heute ist es schwer nachzuvollziehen, aber in jenen Jahren waren das in der Formulierung scharfe Abgrenzungen gegenüber den deutsch-national glaubenden Christ:innen.  

Wirklich unangenehm fällt mir auf, wie Pfarrer Walesch nach seiner Rückkehr noch einmal alle Vorwürfe seiner Frau über Pfarrer Korn aufgreift, um seine Rückkehr nach Niederursel durchzusetzen. Er verweist auch noch mal auf den so „herzensklugen“ Pfarrer Matthieu aus Bochum, der sich doch für ihn ausgesprochen habe. Als seine Rückkehr abgelehnt wird, bittet er im März 1954 darum, dass man doch dann auch Pfarrer Korn eine neue Stelle zuweisen solle, wenn er selbst nicht nach Niederursel zurückkehren darf. Pfarrer Walesch, so mein Eindruck, hat nicht begriffen, dass seine eigene Vergangenheit im Nationalsozialismus der Grund ist, warum man ihn versetzt, wie es mit Pfarrer Korn für einen weit weniger schwerwiegenden Befund geschehen ist. Er schreibt, als handele es sich um einen Beliebtheitswettbewerb zwischen ihm und Pfarrer Korn.
Im Vergleich dazu fällt das absolute Fehlen von irgendwelchen Beschwerdebriefen von Pfarrer Korn auf. In seiner Personalakte gibt es allein das Schreiben des Kirchenvorstands, der sich für ihn einsetzt und eben auch darauf hinweist, dass „von gewisser Seite“ Verleumdung betrieben werde.  

In der Pfarrchronik aus den Jahren, in denen Pfarrer Walesch diese geführt hat, findet sich ein einziger Gemeindebrief eingeklebt. Er stammt aus dem Jahr 1937, die Erntedankausgabe. Pfarrer Walesch hat eine Rede des Führers mit abdrucken lassen. Im einleitenden Text schreibt Pfarrer Walesch: „Die Einheit unseres Gemeindelebens ist dadurch gestört worden, dass einige Gemeindeglieder auswärts ihre religiösen Bedürfnisse zu befrieden suchen. Das ist nicht christlich. Denn die Niederurseler sind durch Gottes willen schicksalshaft zu einer Gemeinde zusammengebunden.“  

1937, also ziemlich genau zwei Jahre nach seinem Dienstantritt, gab es also Menschen, die sich von der Gemeinde entfernt haben. Absichtlich und sichtbar, denn sonst würde ein Pfarrer nicht so öffentlich darauf eingehen. Ob das Menschen waren, die gerade mit dieser nationalsozialistischen Prägung, mit dem Antisemitismus nicht einverstanden waren?  Wir können das nur vermuten. Aber man mag sich das mal vorstellen, dass heute Menschen in dieser Weise öffentlich gemacht werden, weil sie lieber in einer anderen Gemeinde den Gottesdienst besuchen! Im Hintergrund von Pfarrer Waleschs Empörung liegt das altbekannte nationalistische Missverständnis, das sich der Glaube an Jesus Christus passgenau mit dem Wohlergehen einer Nation aus der Völkerwelt verknüpfen ließe. Die Gemeinde als „Schicksalsgemeinschaft“ ist eine Ableitung dieser Überzeugung des christlichen Nationalismus der Deutschen Christen. Gottes Heilsgeschehen zeige sich im Wohlergehen der Nation, der Gemeinde, der Familie. Menschen, die sich aus freien Stücken entfernen, stellen das im Jetzt sich ereignende Heil infrage.
„Aus Blindheit und Schuld zur Umkehr gerufen, bezeugt sie (die Kirche) neu die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen. Das Bekenntnis zu Jesus Christus schließt dieses Zeugnis ein.“ Dies ist der Satz, den die Synode der EKHN 1991 dem Grundartikel hinzugefügt hat. Heute gibt es Menschen in der Kirche, die fragen, ob man den Begriff der Blindheit streichen müsste. Sie verweise darauf, dass blinde Menschen diese bildhafte Verwendung ihrer Lebensumstände nur verletzen kann. Sie sagen aber auch, dass dieser Ausdruck subtil eine unangemessene Entschuldigung der Schuld einspielt. Es stimmt, die Menschen waren nicht blind; sie haben weggesehen! Und ich bin dankbar, dass wir als Kirche immer wieder neu um diese Fragen der Formulierung ringen. Ich selbst bin noch unsicher, ob die Reduktion der Formulierung auf Schuld trifft, was damals geschah. Die zu Beginn dieses Textes formulierten Überlegungen über die manipulierenden Strategien der nationalsozialistischen Ideologie, wie sie heute wieder in den neu entstehenden autoritären Systemen beschrieben werden, lassen mich in diesen Tagen nach der richtigen Formulierung fragen, um das auszudrücken, was mit den Menschen geschehen ist, dass sie gegen ihren Glauben und gegen jede zwischenmenschliche Moral so fehlgehen konnten. Lassen Sie uns im Gespräch bleiben. Es geht um uns und unsere Leben, wenn wir versuchen zu verstehen.

[1] Übersetzung des Gebots der Nächstenliebe in Lev 19,18 durch Buber/Rosenzweig. [2] Ich erinnere hier an den inzwischen weltweit berühmten Satz unseres späteren erste Kirchenpräsidenten, Martin Niemöller: Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.
[3] Weite Verbreitung hat diese Definition von faschistischen Systemen bekommen, als die 14 Punkte in großen Lettern – und als erwerbliches Plakat – im Washington Museum of Holocaust veröffentlich wurden. Alle 14 Punkte finden sie zum Beispiel hier: https://osbcontent.s3-eu-west-1.amazonaws.com/PC-00466.pdf. [4] Das Institut wurde 1939 aus Mitteln von elf Landeskirchen in Deutschland auf Betreiben der Kirchenpartei „Deutsche Christen“ gegründet und bestand bis 1945. Die thüringische Landeskirche ist Vorreiterin der Anliegen und Zentrum der „Deutschen Christen“.  [5] In seinem Schreiben erläutert er seine Hoffnung aus die Erneuerung der Kirche unter dem Begriff „positives Christentum“, das von den Deutschen Christen propagiert wurde als der … ier darauf einzugehen, was für der Begriff „positives Christentum“ in einer verunsicherten Umwelt und ein einem strukturell noch nicht in der Demokratie sicher eingebundenen Kirche bedeutet hat, ist auch so…

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